Amtzell, 18.11.2008

Kultusminister Rau war zwei Tage zu Gast im oberschwäbischen Ravensburg. Laut örtlicher Presse hat er sich in dieser Zeit mit der Schullandschaft in Ravensburg und Umgebung auseinandergesetzt. Aus dieser Raumschaft kam vor eineinhalb Jahren ein Offener Brief an Kultusminister Rau und Ministerpräsident Oettinger.

Dieser Brief, der eine Abkehr von unserem weltweit einzigartigen hierarchisch gegliederten Schulsystem hin zu einem längeren gemeinsamen Lernen aller Kinder fordert, wurde damals von 100 der 130 GHS - Schulleitungen aus dem Kreis Ravensburg und dem Bodenseekreis unterschrieben und unterstützt. Die aus dem Offenen Brief hervorgegangene Initiative hat ihren Sitz im Raum Ravensburg und bemüht sich seit eineinhalb Jahren um einen direkten sachlichen Meinungsaustausch mit dem Kultusminister und dem Ministerpräsidenten.

Bislang wurde jedoch jegliches Gespräch von den verantwortlichen CDU-Politikern verweigert. Auch bei seinem aktuellen Besuch in Ravensburg nutzte der Kultusminister die Gelegenheit nicht, sich einem Meinungsaustausch mit den unbequemen Schulpraktikern zu stellen.

Die Fragen des Offenen Briefes sind bis heute nicht beantwortet. Auch der öffentliche Meinungsaustausch mit den von der Presse so genannten “Schulrebellen” wird verweigert.

So organisierte die CDU Basis (Bodenseekreisverband) eine erstmalige öffentliche Podiumsdiskussion mit Kultusminister Rau und den Verfassern des Offenen Briefes. Aus der anfänglichen Zusage des Kultusministers wurde kurz vor der Veranstaltung die Forderung des “Büro Rau”, die unbequemen Gesprächspartner wieder auszuladen.

Dabei lagen auch Angebote für Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit verbunden mit der Verpflichtung zur Verschwiegenheit der Gesprächsinhalte vor. Diese schriftlichen Angebote der “Schulrebellen” wurden bis auf eine Ausnahme nicht einmal beantwortet.

In einem Fall kam die Antwort durch den damaligen Staatsminister Stächele, in der dieser keinerlei Gesprächsbereitschaft signalisierte. Stattdessen formulierte er Vorwürfe und wiederholte in belehrender Form altbekannte Regierungsformulierungen.

Ganz anders schildert diesen Sachverhalt Ministerpräsident Oettinger. Er prangert in den Medien – konkret in der Sendung “Zur Sache BW” vom 24.07.08 - die öffentlichen Äußerungen der Schulpraktiker an und verweist darauf, dass diese schriftlich an die Landesregierung hätten erfolgen können und man die Gespräche intern hätte führen können.

Bei dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, wie Herr Oettinger zu dieser Aussage kommt?

Entweder verschweigt Herr Oettinger diese bereits zum damaligen Zeitpunkt existierenden Briefe und Dialogwünsche, oder sie wurden hausintern nie an ihn weitergeleitet.

Dabei erfahren die Forderungen der um die Zukunft der Schule besorgten Lehrer und Schulleiter eine immer breitere Unterstützung aus dem Schulbereich, als auch aus anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Wie hält es also die CDU mit ihrer vielbeschworenen Bereitschaft zum Dialog ? Ist diese angebliche Dialogbereitschaft nicht vielmehr nur ein Lippenbekenntnis?

Nachhaltige Schulentwicklung kann nur in einem echten Dialog, vor allem auch mit Andersdenkenden, gelingen.

Die Initiatoren und Verfasser des Briefes haben inzwischen die Initiative “Länger gemeinsam lernen - Baden Württemberg” gegründet. Die Forderungen der Initiative bzw. des Offenen Briefes werden mittlerweile von ca. 500 Schulleitungen aus ganz Baden Württemberg und vielen wichtigen Institutionen und Verbänden unterstützt. Die Zahl der Gleichgesinnten wächst ständig. Jüngste Beispiele dafür sind der Landesjugendring, ein Dachverband für immerhin 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Baden Württemberg, die Evangelischen Landeskirchen und der Landesschülerbeirat.

Allesamt fordern sie in ihren Positionspapieren zur Schulentwicklung das international übliche längere gemeinsame Lernen aller Kinder. Dabei wird in allen Papieren klargestellt, dass eine bloße Strukturänderung nicht die Lösung ist. Vielmehr ist eine Schulstrukturänderung der Türöffner bzw. Voraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung der Lern- und Schulkultur. Dies zeigen die Erfahrungen all jener Saaten, die den Wandel vom gegliederten zum integrativen Schulsystem erfolgreich vollzogen haben.

Diese Staaten betonen, dass eine Schule, die alle Kinder gleichermaßen optimal fördert und fordert nicht ohne die geforderte Strukturänderung möglich ist. Alle wichtigen Positionspapiere der oben erwähnten Verbände sowie aktuelle Äußerungen vieler Gleichgesinnter und reichlich Informationen zur aktuellen Schulentwicklungsdiskussion sind nachzulesen unter: www.laenger-gemeinsam-lernen-bw.de

Quelle:
“Initiativgruppe länger gemeinsam lernen” Baden-Württemberg
c/o Ottmar Rupp
Ottmar Rupp
Anton-Kiene-Weg 2
D-88279 Amtzell
Tel. 07520-92 48 71